Deutscher Gewerkschaftsbund

Berlin-Brandenburg

Ausbildungsreport 2020

Ausbildungsreport 2020: 80 Prozent der Auszubildenden beklagen hohe Mieten

Das Thema bezahlbares Wohnen brennt Auszubildenden in Berlin und Brandenburg unter den Nägeln. Das berichtet der 15. Ausbildungsreport Berlin-Brandenburg, den die DGB-Jugend am Dienstag vorgestellt hat. 80 Prozent der Befragten nennen günstigere Mieten als wichtigen Wunsch zur Wohnsituation. Bezahlbarer Wohnraum wird nicht nur in Berlin, sondern auch in den wachsenden Gemeinden Brandenburgs knapp. Das stellt vor allem Geringverdienende vor Probleme – unter ihnen Azubis. Nur knapp die Hälfte der alleine lebenden Auszubildenden kann die eigene Wohnung ohne Hilfe von Staat oder Eltern bezahlen, hat der Ausbildungsreport ermittelt. Von der Ausbildungsvergütung kann über die Hälfte der jungen Leute nicht gut leben.

Die Mietpreise wirken sich auch auf die Fahrzeiten aus: Auszubildende in Berlin und Brandenburg sind im Durchschnitt länger zum Betrieb unterwegs als bundesweit. Während Berufsschulen und Betriebe in Berlin überwiegend gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, klagen in Brandenburg 32 Prozent über schlechte Anbindung des Betriebs an den ÖPNV.

Carolin Hasenpusch, Bezirksjugendsekretärin: „Auszubildende im Jahr 2020 haben überwiegend eine andere Lebenssituation, als es vor zehn und 20 Jahren üblich war – schon alleine, weil Azubis heute durchschnittlich älter sind. Ein eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung ist Teil des Erwachsenwerdens. 65 Prozent der Auszubildenden würde gerne von zu Hause ausziehen – die wenigsten können sich das aber aus eigener Tasche leisten. Es muss dringend mehr bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende geschaffen werden.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg: „Ausbildung darf in der Corona-Krise nicht unter die Räder kommen. Wichtig als Sofortmaßnahmen sind darum die Ausbildungsprämien für Unternehmen, die ihr Ausbildungsangebot aufrechterhalten oder aufstocken, und die Prämien für die Azubi-Übernahme aus insolventen Betrieben. Das neue Ausbildungshotel in Berlin ist ein mutiges Projekt, das zur rechten Zeit kommt. Gleichzeitig muss an den strukturellen Schwächen der Ausbildung gearbeitet werden – denn Fachkräfte kann man nicht backen. Mit öffentlichen Verkehrsanbindungen vor allem im ländlichen Raum und Azubi-Wohnheimen muss die praktische Grundlage dafür geschaffen werden, dass Jugendliche eine Ausbildung aufnehmen können. Bei der Digitalisierung müssen schon lange fällige Fortschritte kommen. Die Berufsschulen müssen endlich flächendeckend mit Breitbandanschlüssen versorgt werden und die Betriebe die Jugendlichen gezielter auf die Nutzung digitaler Technologien vorbereiten.“