Deutscher Gewerkschaftsbund

Berlin-Brandenburg

Gastronomiereport 2015 der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg

Ausbildungsreife der Gastronomiebetriebe auf dem Prüfstand – Gastronomie muss ihre Hausaufgaben machen

Seit 10 Jahren veröffentlichen wir nun schon unseren Ausbildungsreport, um auf Missstände in der Berufsausbildung aufmerksam zu machen, Problemlagen zu identifizieren und Lösungsvorschläge in die notwendige Debatte um die Verbesserung der Ausbildungsqualität in Berlin und Brandenburg einzubringen. Wir wollen damit Auszubildenden eine Stimme geben, sie zu Wort kommen lassen, nicht nur über sie reden sondern mit ihnen.

Eine Branche, die im Ausbildungsreport wegen ihrer schlechten Ausbildungsbedingungen regelmäßig negativ auffällt, ist das Hotel- und Gaststättengewerbe. Deshalb haben wir uns im letzten Jahr entschlossen, zusätzlich zum Ausbildungsreport einen gesonderten Gastronomiereport zu erstellen, in dem wir die Antworten der Auszubildenden aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe mit den Ergebnissen der anderen Berufe vergleichen.

Die Ergebnisse dürften kaum verwundern: Die Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe bewerten ihre Ausbildungsbedingungen deutlich kritischer als Azubis in anderen Berufen. Egal, ob es Arbeitszeiten, Überstunden, Arbeitsbelastung, ausbildungsfremde Tätigkeiten oder die Anleitung durch Ausbilderinnen und Ausbilder sind – in allen Bereichen schneidet das Hotel- und Gaststättengewerbe schlechter ab.

Unser Report zeigt auf, dass sich unbesetzte Ausbildungsplätze, hohe Abbruchquoten und ein drohender Fachkräftemangel nicht allein durch vermeintlich unreife oder unmotivierte Jugendliche erklären lassen, wie es uns die Arbeitgeberseite immer wieder weismachen will. Die Probleme der Branche sind vielmehr hausgemacht. Mit dem Gastronomiereport haben wir jetzt Schwarz auf Weiß vorliegen, was wir schon lange gesagt haben.

Wie uns die zuständige Fachgewerkschaft NGG mitteilte, sind zwar schon erste Bemühungen des DEHOGA und einzelner Betriebe zur Verbesserung der Ausbildungsqualität erkennbar. Es braucht aber noch wesentlich mehr, um die Rahmenbedingungen von Berufsausbildung in der gesamten Branche nachhaltig zu verbessern. Denn in vielen Betrieben ist noch nicht viel von Qualitätsverbesserung bei der Berufsausbildung zu spüren. Hier muss die Gastronomiebranche noch viele Hausaufgaben machen.