Deutscher Gewerkschaftsbund

Berlin-Brandenburg

9. Mai gemeinsame Gedenkveranstaltung junger Gewerkschafter*innen im Wedding mit dem DGB Kreisverband Mitte

Gruppenbild mit Zitaten, in Erinnerung an das Ehepaar Hampel

@ Jonathan Göpfert

Thank you! Merci! Spaciba!

 

Eine kleine Gruppe GewerkschafterInnen im Wedding hat zum Tag des Sieges der Alliierten über Deutschland gemeinsam mit Mitgliedern des DGB Kreisverband Mitte Blumen am Wohnhaus von Elise und Otto Hampel niedergelegt, um ihnen stellvertretend für die unzähligen Toten zu gedenken, die die Nationalsozialisten mit und ohne Parteibuch zu verantworten haben; also jenen, die zu früh ermordet wurden, um befreit zu werden. Am Rathaus wurden Schilder mit unserem Dank in die Höhe gehalten und mit Zitaten der Hampels.

Leider gab es auch ein Missverständnis mit der Polizei, trotz vorheriger Anmeldung bei der Versammlungsbehörde. In Absprache mit der Versammlungsbehörde, die die Fotoaktion nicht als Versammlung einschätzten, hatten wir die Anmeldung wieder zurückgezogen. Die PoizlistInnen vor Ort sahen das leider anders und nahmen die Personalien der anwesenden GewerkschafterInnen auf. Wir gehen davon aus, das es keine weiter Folgen haben wird, trotzdem war der Umgang der Polizei mit dem Gedenkaktion für alle Anwesenden frustrierend. Doch zurück zum eigentlichen Thema:

 

Elise und Otto Hampel waren zuerst selbst dem Nationalsozialismus nicht abgeneigt. Als jedoch Elises Bruder an der Westfront für den deutschen Wahn zu Tode kam, gingen sie in den Widerstand. Mit geringen Mitteln und klapprigen Sätzen forderten sie zum Nicht-Mitmachen auf, indem sie über zwei Jahre Postkarten vor allem im Wedding aber auch in anderen Berliner Bezirken in Hauseingängen verteilten, auf denen sie schlicht auf die Brutalität der herrschenden Zustände aufmerksam machten. Dabei wurden sie von einer Bürgerin erwischt und denunziert – beide wurden am 8. April 1943 im Gefängnis Berlin-Plötzensee ermordet.[1]

 

In der Nacht vom 28. zum 29. April haben Unbekannte die 2018 eingeweihte Gedenktafel für die Eheleute Hampel am Rathaus Wedding zerstört.[2] Als Mittelfinger gegen die Arschlöcher, die das getan haben, Elise und Otto Hampel zum Gedenken und auf den Sieg der Alliierten gegen Deutschland sagen wir: Santé! Vashe zdorovie! Cheers!

 

Wir gedenken dem Widerstand nicht nur aufgrund der für die Hampels aufgestellten Stehle am Weddinger Rathaus-Platz. Dieser Ort ist gleichzeitig ein historischer Ort für das Ende des 2. Weltkrieges: Am 25. April besetzten sowjetische Truppen das Weddinger Rathaus. Im Folgenden wurden 629 Mitglieder der NSDAP aus der öffentlichen Verwaltung im Wedding entfernt.[3] Wir setzen uns grundsätzlich auch heute dafür ein, dass Nazis keinen Platz haben im öffentlichen Dienst, genauso wie an entscheidenden parlamentarischen Stellen.

 

Wir vergessen nicht die Zerschlagung der Gewerkschaften am 02. Mai 1933; nicht die politische Verfolgung von GewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen und KommunistInnen; nicht die Zwangsarbeit und industrielle Massenvernichtung von Millionen von Jüdinnen und Juden, von Roma und Sinti und Millionen anderer Menschen; nicht den räuberischen Krieg, der von deutschem Boden ausging. Wir vergessen nicht, dass viele für den Nationalsozialismus Aktive aus Wirtschaft, Politik und Justiz nach 1945 erneut wichtige Posten der Gesellschaft besetzen konnten. Wir vergessen auch nicht, die rassistischen Morde heute, wie die des NSU oder in Hanau. Auch deshalb setzen wir heute dem Hass unseren gemeinsamen, solidarischen Kampf für das gute Leben entgegen.

 

"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher, denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie. Unterwanderung bezeichnet ein Objektives, nur darum machen zwielichtige Figuren ihr come back in Machtpositionen, weil die Verhältnisse sie begünstigen." Theodor W. Adorno[4]

  

"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher, denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie. Unterwanderung bezeichnet ein Objektives, nur darum machen zwielichtige Figuren ihr come back in Machtpositionen, weil die Verhältnisse sie begünstigen." Theodor W. Adorno[4]

 

Quellen:

[1] Homepage der Gedenkstätte deutscher Widerstand

[2] https://www.berliner-woche.de/wedding/c-blaulicht/unbekannte-zerstoeren-denkmal-vor-dem-rathaus-wedding_a263953

[3] Gerhild Komander, "Der Wedding" (2006) und Bernd Schimmler, "Der Wedding" (1985)

[4]Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? Vortrag auf der Erzieherkonferenz des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Wiesbaden, 6. November 1959 https://www.youtube.com/playlist?list=PLF2BCC5C2172F9274

Blumen am Wohnhaus des Ehepaar Hampel

@ Jonathan Göpfert

Zitat 1

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Zitat 2

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Zitat 5

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Zitat 6

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Zitat 8

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