Deutscher Gewerkschaftsbund

Berlin-Brandenburg

Dönerteller mit Dillsoße

Ein Artikel von Celine Geckil

Dönerteller mit Dillsoße - Eine Hommage an die Uni-Mensa

@ DGB-Jugend Berlin-Brandneburg

Das digitale Sommersemester schreitet voran und langsam haben wir uns wahrscheinlich alle an digitalen Videokonferenzen satt gesehen und wünschen uns zwischendurch auch ein wenig den Unialltag zurück. Selbst mit langen Bahnfahrten, den schweren Büchern und stickigen Räumen. Aber besonders der Austausch Miteinander und das gemeinsame Essen in der Mensa. Auch wenn die Uni-Mensa nicht immer den besten Ruf hat, wen es um das Geschmackserlebnis geht, so ist sie doch ein Ort des Zusammenkommens. Studierende, Lehrende und alle Mitarbeiter*innen jedes Semester und jeder Fakultät trafen aufeinadner. Dafür leisteten die Mensamitarbeiter*innen tagtäglich Großes, um dem Chaos herzuwerden. Sie hörten sich geduldig unser Fragen und unser Gemecker, drückten mal ein Auge zu, wenn wir den Teller wieder mal zu voll gepackt haben und schnackten an der Kasse noch kurz mit uns.  

Celine, Mitglied der DGB Hochschulgruppe an der Uni Potsdam, und selbst-ausgebildete Rezensentin für Mensaessen und hat eine kleine Hommage an die Mensa geschrieben. Der Artikel wurde zwar vor Corona verfasst, verliert aber nicht an Bedeutung. Und der Tag wird kommen, wenn wir uns wieder einen Berg billigen Nudeln auf den Teller schaufeln können und die genau Ratio zwischen Zutaten und Tellergröße im Schlaf können, damit das ganz Gebilde nicht zusammenstürzt.  


 

Nachdem ich bereits seit ungefähr einem Jahr Online-Reviews des Mensaessens an der Universität teile, so birgt der Speiseplan noch immer vieles
Unerwartetes. Von dem Weihnachtshuhn, extra haarig, bis zu meinen Favoriten ›Fleischbrocken von Mehrerlei Getier‹ und Dönerteller, sehe ich mich dadurch,
dass ich mindestens drei mal die Woche in der hauseigenen Etablissement der Universität zu speisen vermag, als ausgebildete Rezensentin an.

Als Vollzeitstudentin, die zusätzlich an der Universität arbeitet, gewöhnt man sich an das Einsiedlerleben, Automaten- Kaffee und weiß Currywurst mit Pommes zum Preis von zwei Euro nochmals auf besonderer Ebene zu schätzen. Bei all dem Segen, günstiges Mittagessen, mit breitem Angebot in einer abgelegenen Einöde wie dem Campus Griebnitzsee zu bekommen, sieht man jedoch immer wieder Szenerien von besonderer Dramaturgie: Eine Horde Wirtschaftsstudenten, welche extra die Vorlesung 15 Minuten früher verließen, nur um sich an der Theke mit der amtierenden Professorin Dr. Dr. rer. pol. um die letzten verbliebenen Kroketten zu rangeln, um nicht auf die Petersilienkartoffeln ausweichen zu müssen und weitere sozialdemographische Spektakel, von verschiedenen Arbeitswegen, Gehältern, Studiengängen,
und sich vordrängelnden Professor_innen, die in den heiligen Hallen der Mensa zusammentreffen und hierin um die wertvollste Ressource, das langersehnte Mittagessen, konkurrieren.

Würden hierbei die Mitarbeiter_innen der Mensa und des Studierendenwerkes nicht mit den nötigen Arbeits- und Sozialkompetenzen ausgestattet sein, einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn lästige Studierende wie ich bei hundert Meter langen Schlangen, dank des fehlende Mensaausbaus, wiederholt langwierigen Fragen, wie ob denn im Essen ›Chilli oder Curry‹ enthalten sei und ob sie sich ›da ganz sicher sind‹, stellen, als würde ich mich im Michelin-Star Restaurant in der Toskana befinden, so wäre das Ausmaß der dargelegten Szenen an einem Dienstag um 12 Uhr kaum auszuhalten.

Hierin stellen sich bei genauerer Beobachtung viele Fragen, beispielsweise warum Berufe, die wesentlich den Alltag unzähliger Studierender und wissenschaftlich Arbeitender erst ermöglichen, so gering entlohnt werden und warum somit genau die Universität, in all ihrer Glorie, den Schauplatz eines Schmelztiegels der ungerechten Entlohnung darbieten muss. Von schlecht getakteten Arbeitsabläufen, die von den Mitarbeitenden wiederholt Überstunden fordern, um das Mittagessen während der Semesterzeit nicht zu einer Neuauflage der Hunger Games eskalieren zu lassen, bis hin zum Mangel an Ausstattungen von Arbeitsbekleidung bis Kochutensilien sollte man meinen, eine universitäre Umgebung würde die Arbeitsbedingungen von Mitarbeiter_innen des Studierendenwerkes mehr schätzen zu wissen und hierbei Geld sinnvoll in deren Ausstattung investieren, die sich folglich auch auf den Tellern aller an der Universität Partizipierender abbilden würde.

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